11. Fachtagung Psychiatrie

Regionale psychiatrische Hilfesysteme und Ökonomie

"Psychiatrisierung der Lebenswelten - Industrialisierung der Psychiatrie?"

28. Februar und 1. März 2019 | ver.di – Bundesverwaltung 10179 Berlin

 

„Psychiatrisierung der Lebenswelten – Industrialisierung der Psychiatrie?"  Diese Fragestellung diskutiert die 11. Fachtagung Psychiatrie am 28. Februar und am 1. März 2019 in Berlin. 

Den Hintergrund dieses Spannungsfeldes zu beleuchten und zu bewerten, hat mit einer Reihe von Entwicklungen zu tun, die die psychosoziale Versorgungslandschaft in den letzten Jahren prägen. Immer mehr Menschen mit Alltagsproblemen werden als psychisch krank eingestuft und/oder abgestempelt.
Früher wurde Experten empfohlen, mindestens zwei Monate Trauerzeit abzuwarten, bevor ein Patient/ eine Patientin psychiatrisch behandelt werden sollte. Dies wurde mit der überarbeiteten Fassung des amerikanischen Handbuches zur Klassifizierung psychischer Störungen (DSM-5) im Jahr 2013 geändert. Nun reichen wenige Wochen, um eine Depression zu diagnostizieren. Dieses immer wieder zitierte Beispiel verdeutlicht exemplarisch einen Trend, dass "Normale" zu pathologisieren.

Vor diesem Hintergrund wird auch von einer Industrialisierung der "Seelenindustrie" gesprochen. Diese Entwicklung wird aber auch im Kontext eines zunehmenden Einflusses betriebswirtschaftlicher Zielsetzungen bei der Abrechnung von psychiatrischen und psychotherapeutischen Leistungen virulent. Die Einführung von PEPP löste eine solche Diskussion aus. Ein Krankenhaus-Manager äußerte im Kontext mit der Einführung von PEPP bereits vor vielen Jahren, PEPP motiviere, stationäre Versorgungsformen auszubauen. Nun gelang es z.B. mit dem PsychVVG in 2016 weitere Grundlagen für eine Orientierung am Budget von stationären psychiatrischen Kliniken durchzusetzen - z.B. eine Neuordnung der Personalbemessung als Budgetgrundlage.

Ähnliche Entwicklungen finden sich, so äußern sich Kritiker, auch in der Gemeindepsychiatrie bzw. bei der Einführung des Bundesteilhabegesetzes. Assistenz und Hilfe zum selbstständigen Leben wird als Produkt definiert, welches dem Wettbewerb unterworfen werden muss. Kurzum, die Rolle von Ökonomie und Standardisierung in der psychosozialen Versorgungslandschaft bleibt.

In diesem Kontext wird u.a. auch die Neuordnung der Personalbemessung durch den G-BA in 2019 zu thematisieren sein und wie ein solches System die Angebote in den anderen psychosozialen Bereichen beeinflusst.

Wir haben eine Reihe von interessanten Referenten und Referentinnen gewinnen können. So wird Herr Arno Deister (Präsident der DGPPN) seine Bewertung der "Psychiatrisierung der Lebenswelten" vortragen. HerrHans-Ullrich Wittchen wird seine Untersuchung zur Ist-Situation der Personalausstattung vorstellen, die er im Auftrag des G-BA erstellt hat. Frau Iris Hauth wird die Position der Plattform "Personal" der psychiatrischen und psychosomatischen Fachverbände zur zukünftigen Gestaltung der Personalausstattung in der Krankenhauspsychiatrie referieren, und Michael Löhr wird die Frage beantworten, ob die Personalausstattung eine Voraussetzung für eine gute Behandlung des Patienten/ der Patientin ist. In Workshops werden diese Fragestellungen aufgegriffen und auch die Auswirkungen in die anderen Bereiche und Themenfelder der psychosozialen Versorung thematisiert.

 

Wir freuen uns, wenn Sie am 28. Februar und 1. März 2019 in Berlin dabei sein könnten. Merken Sie sich bitte diesen Termin vor.

    

Mit freundlichen Grüßen der Initiatoren, Begleiter und Förderer

Prof. Dr. Cornelia Albani

Nils Greve

Irmela Boden

Dr. med. Dieter Grupp

Paul Bomke

Prof. Dr. med. Martin Heinze

Dr. Peter Brückner-Bozetti

Michael Krömker

Prof. Dr. med. Arno Deister

Prof. Dr. Michael Lingenfelder

Katrin Erk

Gisela Neunhöffer

Dr. Alexander Gary 

Dr. Elke Prestin

Markus Geißler

Hilde Schädle-Deininger

Grit Genster

Dr. Andrea Temme

Gabriel Gerlinger

Dr. med Steve Truöl