8. Fachtagung Psychiatrie

Regionale psychiatrische Hilfesysteme und Ökonomie

Anspruch trifft auf Realität – Psychosoziale Versorgung und Ökonomie

11. und 12. Februar 2016 | ver.di Bundesverwaltung, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin

Fachtagung Psychiatrie 2016

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen, 

vom 11. bis 12. Februar 2016 trafen sich zum achten Mal Mitarbeiter, Entscheider und Interessenvertreter aus Kliniken, Pflege- und Rehaeinrichtungen der psychiatrischen Gesundheitsbranche und tauschten auf diesem Forum ihre konkreten Erfahrungen aus mit anderen Experten, Wissenschaftlern und Forschern sowie mit Patienten, Nutzern und Psychiatrie-Erfahrenen. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit zu engen Kontakten mit Vertretern von Krankenkassen, Kostenträgern sowie aus Politik, Management und Öffentlichkeit.

Schwerpunkt der 8. Fachtagung war das Thema „Anspruch trifft auf Realität – Psychosoziale Versorgung und Ökonomie“. Ansatzpunkt der diesjährigen Tagung war die inhaltliche Fokussierung der Konfrontation von „Anspruch und Realität“ in der Psychiatrie. In diesem Spannungsfeld setzten die Beiträge der Referenten an, um neue Lösungsansätze, anregende Impulse durch Praxisberichte und Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung in die Diskussion um den aktuellen Zustand der Psychiatrie in Deutschland und ihre Weiterentwicklung einzubringen.

Die Psychiatrie-Enquête 1975 war und ist ein entscheidender Meilenstein, der die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland in den letzten Jahrzehnten geprägt hat. Die Enquête hat klare Forderungen und Ansprüche formuliert, wie Psychiatrie menschenwürdig zu gestalten ist und Veränderungen angestoßen, die die heutige psychiatrische Realität prägen. 40 Jahre später drängt sich nach der Finanz- und Schuldenkrise die Ökonomie in den Vordergrund aller Reformüberlegungen. Eine psychiatrische Versorgung, die an einem menschenwürdigen Umgang orientiert ist, droht zugunsten einer Ausrichtung auf Ökonomisierung aller Abläufe zunehmend in den Hintergrund gedrängt zu werden.

Die zentrale Fragestellung der 8. Fachtagung Psychiatrie lautete daher: Wie kann der moralisch-ethische Anspruch der Psychiatrie-Enquête auf eine Weiterentwicklung im Sinne einer „guten psychiatrischen Versorgung„ bewahrt werden? Welche inhaltlichen Ziele und immanenten Werte gilt es bei allen Reformbemühungen hochzuhalten und zu festigen, um auch in den konkreten Arbeitsbedingungen diesen Ansprüchen gerecht zu werden?

Zur Aufarbeitung dieser Themen war die 8. Fachtagung Psychiatrie in drei Sektoren gegliedert: Am Vormittag des ersten Tages wurden in Plenumsvorträgen aktuelle Grundsätze psychiatrischer Versorgung und entsprechender Praxis von Experten vorgestellt und diskutiert. Daran anschließend wurden am Nachmittag in den ebenenfalls von Experten moderierten Workshops I – IV einzelne Felder aus den Plenumsvorträgen in kleinerem Kreis schwerpunktmäßig bearbeitet. Dazu gehörten die Bereiche: Perspektiven der psychiatrischen Arbeit und Versorgung, Rahmenbedingungen der Behandlungsangebote, Arbeitsbedingungen in der Psychiatrie sowie Fragen der Ökonomisierung der Psychiatrie zwischen Gemeinwohlorientierung und Gewinninteressen der Shareholder im Besonderen.

Am zweiten Tag wurden im Rahmen von fünf Foren, in bewährter Tradition der Tagungsreihe, aktuelle Themen der psychiatrischen Versorgung erörtert. Dazu gehörte erneut das Thema `Finanzierung, Entgeltsysteme und Qualität`. Ein weiteres Forum befasste sich mit den Entwicklungen der Arbeitsbedingungen in der psychiatrischen Versorgung `PEPP versus PsychPV`. Ebenso behandelte jeweils ein Forum das Thema `Alternativen zur Regelversorgung` sowie `Trialogische Sicht auf die psychosoziale Versorgung` und `Reform der Wiedereingliederungshilfe – Bundesteilhabegesetz`.

Die Ergebnisse der 8. Fachtagung resümierten eine Plenums-Diskussionsrunde: Ergebnisdialog mit den Stakeholdern - Anspruch trifft auf Realität. 

Wir bedanken uns für Ihre Teilnahme.


Mit freundlichen Grüßen der Initiatoren, Begleiter und Förderer
 

Irmela Boden

  Michael Krömker

Paul Bomke

  Prof. Dr. med. Peter Kruckenberg

Dr. Peter Brückner-Bozetti

  Cordula Kiank

Prof. Dr. med. Arno Deister

  Anika Liedloff

Katrin Erk

  Prof. Dr. Michael Lingenfelder

Wolfgang Faulbaum-Decke

  Hilde Schädle-Deininger

Nils Greve

  Simone Schweizer

Dr. med. Dieter Grupp 

  Herbert Weisbrod-Frey

Prof. Dr. med. Martin Heinze 

  Jana Westphal

Tagungsbeiträge 2016
Anspruch trifft auf Realität – Psychosoziale Versorgung und Ökonomie

11. und 12. Februar 2016 in Berlin | ver.di-Bundesverwaltung

Beitraege
Beiträge 1. Tag: 11. Februar 2016
 

Tagungsleitung: Dr. Peter Brückner-Bozetti, Geschäftsführer, Forum für Gesundheitswirtschaft gGmbH; Sabine Baldauf, Geschäftsführerin, BAB Institut, Bremen

Anspruch trifft auf Realität

Ulrich Krüger, Geschäftsführer, Aktion Psychisch Kranke e.V., Bonn

Der Begriff der psychischen Krankheit – Die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung seit der Psychiatrie-Enquête

Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz, Klinikdirektor Charité, Berlin

Kommentar: Nils Greve, Vorsitzender Psychosozialer Trägerverein Solingen,
Geschäftsführer GpG NRW

Anforderungen an eine anspruchsvolle psychiatrische Versorgung – Internationale Entwicklungslinien

Prof. Dr. Reinhold Kilian, Sektionsleiter Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung Universität Ulm

Kommentar: Dr. Christa Widmaier-Berthold, Dipl.-Soziologin, Stuttgart

Gemeinwohl, Ehrenamt und Wettbewerb – Wege aus der Kapitalismusfalle

Dr. Serge Embacher, Politikwissenschaftler und Publizist, Berlin

Kommentar: Paul Bomke, Geschäftsführer, Pfalzklinikum Klingenmünster

Arbeit in der psychiatrischen Versorgung – Anspruch und Wirklichkeit

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender, Paritätische Wohlfahrt, Gesamtverband, Berlin

Kommentar: Dr. Peter Brückner-Bozetti, Geschäftsführer, Forum für Gesundheitswirtschaft gGmbH, Bremen

Workshop I

Perspektiven

Moderation: Birgit Fuchs, Einrichtungsleiterin Betreuen/Fördern/Wohnen, Pfalzklinikum Klingenmünster;  Annette Kleeberg, Kulturanthropologin, Europäische Ethnologin, Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige, Berlin

Beiträge Workshop I

Anthropologische Ansätze in der psychiatrischen Versorgung

Prof. Dr. Thomas Bock, Leiter der Spezialambulanz für Psychosen und Bipolare Störungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Menschenrechte und Psychiatrie

Dr. Valentin Aichele, Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention / Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin

Psychiatrie aus der Perspektive der Nutzer

Brigitte Richter, Vorsitzende Pandora, Nürnberg

Workshop II

Angebote

Moderation: Birgit Görres, Geschäftsführerin, Dachverband Gemeindepsychiatrie; Achim Momm, Berater, BAB Institut, Bremen

Beiträge Workshop II

Was gehört zur Strukturqualität in der Psychiatrie und Psychotherapie?

Prof. Dr. med. Arno Deister, Chefarzt, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Klinikum Itzehoe

Haltungen und Einstellungen als Grundlage für eine partizipative Behandlung

Dr. med. Christian Kieser, Chefarzt, Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam

Rahmenbedingungen für eine integrative Struktur von Hilfesystemen und Behandlungsangeboten im sozialen Kontext

Nils Greve, Vorsitzender Psychosozialer Trägerverein Solingen, Geschäftsführer GpG NRW, Solingen

Workshop III

Arbeit

Moderation: Anika Liedloff, Beraterin, BAB GmbH, Bremen; Karin Kubitschek, Referentin, Forum für Gesundheitswirtschaft gGmbH, Bremen

Beiträge Workshop III

Kooperation in der gemeindepsychiatrischen Versorgung aus Sicht der Beschäftigten – Ergebnisse und Interpretationen eines Forschungsprojektes

Dr. Bernard Braun, Zentrum für Sozialpolitik, Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung, Universität Bremen

Arbeit und Arbeitsbedingungen in Modellprojekten nach § 64b SGB V– Wie verändern sich Arbeitsbedingungen und Kooperationsbeziehungen?

Dr. med. Bettina Wilms, Chefärztin Südharzklinik, Nordhausen

Arbeitsbedingungen in der gemeindenahen psychiatrischen Versorgung

Gerhard Walsken, Psychologe u. Betriebsratsvorsitzender, Psychosozialer Trägerverein Solingen e.V.

Workshop IV

Ökonomie

Moderation: Bernhard Koelber, Leiter OE/OP Pfalzklinikum Klingenmünster; Paul Bomke, Geschäftsführer, Pfalzklinikum Klingenmünster

Beiträge Workshop IV

Wo die Ökonomie der Medizin schadet und wo sie nützlich ist

Prof. Dr. med. Dr. rer pol. Christian Thielscher, wissenschaftl. Gesamtleitung, FOM Hochschule, Essen

Sind Wettbewerb und Qualität zwei Seiten derselben Medaille?

Prof. Dr. Sascha Wolf, Professor für VWL, Hochschule Pforzheim

Passt Gemeinwohlorientierung zu Wettbewerb? Ergänzende Überlegungen zum Impulsvortrag

Dr. Serge Embacher, Politikwissenschaftler und Publizist, Berlin

beitraege
Beiträge 2. Tag: 12. Februar 2016
 

Herausforderungen für die psychiatrische Versorgung und Arbeit – Eine Bewertung aus gewerkschaftlicher Perspektive

Sylvia Bühler, Mitglied ver.di Bundesvorstand, Bundesfachbereichsleiterin Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen, Berlin

Forum 1

Finanzierung, Entgeltsysteme und Qualität

Moderation: Katrin Erk, kaufm. Vorstand, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim; Anja Röske, Referentin für Psychiatrie und Psychosomatik, Deutsche Krankenhausgesellschaft, Berlin

Beiträge Forum 1

Die Umgestaltungen im PEPP-Katalog 2016 - Aktuelle Entwicklung des PEPP-Systems

Julian Schwarz, Referent Medizin, InEK Siegburg

Flächendeckende Qualitätsmessung in der Schweiz

Prof. Dr. Hans-Joachim Haug, Ordinarius für Psychiatrie, Clienia Winterthur, Universität Zürich

Entwicklung von Qualitätsindikatoren für die Versorgung von volljährigen Patienten und Patientinnen mit Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen

Dr. Gerald Willms, AQUA Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Göttingen

Budgetsystem versus Preissystem - Auswirkungen auf die psychiatrische Versorgung in Deutschland

Prof. Dr. med. Renate Schepker, Leiterin/CA Kinder und Jugendpsychiatrie, ZfP Südwürttemberg

Forum 2

Arbeitnehmerforum – PEPP versus PsychPV

Moderation: Silke Hansen, Gewerkschaftssekretärin, ver.di Bundesverwaltung, Berlin; Frank Kuhn, Human-Resource-Management, ZfP Südwürttemberg, Ravensburg

Beiträge Forum 2

Renovierungsbedarf der PsychPV und Anforderungen der Arbeitnehmer an eine Weiterentwicklung der Personalbemessung

Dr. Peter Brückner-Bozetti, Geschäftsführer Forum für Gesundheitswirtschaft gGmbH, Bremen; Niko Stumpfögger, Bereichsleitung Betriebs- und Branchenpolitik, ver.di Bundesverwaltung Berlin

Wie viel PsychPV steckt im PEPP-System?

Steffi Barufka, Koordinationsstelle Universitätsklinika, Heidelberg

Arbeitsorganisation und Personalmanagement von sektorübergreifenden psychiatrischen Leistungen (APP) – eine Forschungsinitiative

Grit Genster, Bereichsleiterin Gesundheitspolitik, ver.di Bundesverwaltung, Berlin

Forum 3

Alternativen zur Regelversorgung

Moderation: Dr. med. Iris Hauth, Präsidentin, DGPPN, ALEXIANER St. Joseph Krankenhaus
Zentrum für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Berlin; Nils Greve, Vorsitzender Psychosozialer Trägerverein Solingen, Geschäftsführer GpG NRW, Solingen

Beiträge Forum 3

Modellprojekte nach § 64 b SGBV – Stand und Perspektiven

Dr. med. Bettina Wilms, Chefärztin Klinikum für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Nordhausen 

Integrierte Versorgung – Am Beispiel des Netzwerkansatzes in Berlin

Dr. Thomas Floeth, Geschäftsführer, NiG Pinel, Berlin

Modellprojekte aus der Perspektive der Kassenärzte

Dr. Norbert Mönter, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse, Berlin

Forum 4

Trialogische Sicht auf die psychosoziale Versorgung

Moderation: Cordula Holle, Angehörige; Anne Hofmann, Psychiatrie-Erfahrene; Hilde Schädle-Deininger, Leiterin, Weiterbildung Fachpflegerin für Psychiatrische Pflege, Frankfurt University of Applied Sciences

Beiträge Forum 4

Veränderungen in Sprache und Sichtweisen der psychosozialen Arbeit zwischen Bedürfnissen und Realität

Prof. Dr. Asmus Finzen, Professor für Sozialpsychiatrie und Wissenschafts-Publizist, Berlin

Experten aus Erfahrung - Alibi oder fester Bestandteil in der psychosozialen Versorgung?

Anne Hoffmann, Psychiatrie-Erfahrene

Unterstützende Elemente für Wohlbefinden und Hoffnung im trialogischen Miteinander

Annette Kleeberg, Kulturanthropologin, Europäische Ethnologin, Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige, Berlin

Forum 5

Reform der Eingliederungshilfe – Zwischenberichte aus dem Diskurs zu einem Bundesteilhabegesetz

Moderation: Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer; Erika Schulz, Mitglied der Geschäftsleitung und Bereichmanagerin für psychosoziale Reha und Integration, beide: Brücke-Schleswig-Holstein gGmbH, Kiel

Beiträge Forum 5

Erwartungen an ein Bundesteilhabegesetz

Rudolf Boll, Geschäftsbereichsleiter, Der Paritätische NRW, Wuppertal

Hilfeplanung – Welche Reformelemente werden in Zukunft bestimmen?

Matthias Rosemann, Geschäftsführer, Träger gGmbH, Vorsitzender Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrische Verbünde, Berlin

Inklusion und Arbeit

Thomas Neuhaus, Sozialdezernent, Remscheid