Rückblick 2012

Fachtagung

Personal - Management - Mitbestimmung 

23. und 24. Februar 2012

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Die 4. Fachtagung Psychiatrie fand vor dem aktuellen Hintergrund eines Gesetzesentwurfs statt, der die geplante Einführung eines neuen pauschalierenden Entgeltsystems regelt und alle psychiatrischen Einrichtungen in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen wird.

Neben ökonomischen Wirkungen ging es auf der Fachtagung insbesondere darum, die Wirkungen und Anforderungen an ein professionelles Personalmanagement sowie an die Mitwirkung der Beschäftigten bei der Gestaltung desselben zu thematisieren.

Entsprechend unserer Philosophie, die unterschiedlichen Interessengruppen – Management, Kostenträger, Beschäftigte und ihre Interessenvertretungen – zu Wort kommen zu lassen und die Rahmenbedingungen für einen konstruktiven Dialog zu schaffen, konnten wir mit dieser Fachtagung dazu beitragen, gemeinsame Interessen aber auch Interessenswidersprüche im Dialog zu erkennen, um diese Erkenntnisse für die Praxis in den Einrichtungen des psychiatrischen Hilfesystems nutzbar zu machen.

Im Fokus der Fachtagung standen vier Themenfelder:

1. Personalgewinnung und Personalbindung – u. E. eine der wichtigsten Voraussetzungen für qualitativ gute Arbeit in psychiatrischen Hilfesystemen.
2. Eine wesentliche Voraussetzung für Personalbindung sind gute Arbeitsbedingungen. Diese erfordern Partizipation und Mitbestimmung der Beschäftigten und sind eine wesentliche Voraussetzung für motivierte Mitarbeiter und damit auch für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung.
3. Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die Qualifikation und Profession bei der Entwicklung regionaler psychiatrischer Hilfesysteme thematisiert, an deren Veränderungen geben Management und Beschäftigte gemeinsam arbeiten müssen.
4. Schließlich ging es um die Frage, wie gute Arbeit „gerecht“ entlohnt werden kann, welche Beschäftigungsverhältnisse angemessen sind und wie zukunftsorientierte Entlohnung aussehen kann.


Darüber hinaus wurde über die aktuelle Entwicklung im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Entgeltsystems diskutiert. Dabei ging es um das Spannungsfeld von Finanzierung und Qualität sowie um die Praxisanforderungen im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Entgeltsystems.

Wie auch in den Vorjahren gab es ein Berliner Manifest für die psychiatrische Versorgung 2012 mit dem Titel „Gute Arbeit gut bezahlen – Zielgerichtete Anreize zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrags“, verbunden mit der Aufforderung an den Deutschen Bundestag, durch eine sorgfältige Überarbeitung des Gesetzesentwurfs eine zukunftsweisende gesetzliche Grundlage für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit im psychiatrischen-psychotherapeutischen Hilfesystem zu schaffen.

Die Initiatoren bedanken sich für die erfolgreiche Tagung

Peter Brückner-Bozetti Wolfgang Faulbaum-Decke Enriqueta Fobbe
Paul Bomke Michael Krömker Dr. med. Dieter Grupp
Prof. Dr. med. Peter Kruckenberg Prof. Dr. med. Oliver Rentzsch Hilde Schädle-Deininger
Nils Greve Simone Schweizer Prof. Dr. Michael Lingenfelder
Herbert Weisbrod-Frey



Tagungsbeiträge 2012
Beitraege
Beiträge 1. Tag: 23. Februar 2012
 

Tagungsleitung: Sabine Baldauf, Geschäftsführerin BAB Institut, Bremen; Dr. Oliver Kannapin, Geschäftsführer teamarchitekten.com, Oldenburg

Personalmanagement in einem mittelständischen Unternehmen - Herausforderungen und Lösungsansätze
(Hans-Jochen Beilke, Geschäftsführer, ebm-papst Gruppe, Berlin)

Kultur des Wandels in einem Dienstleistungssystem - die Bedeutung von strategischer und praktischer Begleitung
(Doris Heitkamp-König, Leiterin Mercedes-Benz Kundencenter, Daimler AG, Bremen)
Kultur des Wandels
(Guus van der Upwich, nextpractice, Bremen)
Perspektiven therapeutischer Arbeit in der regionalen psychiatrischen Versorgung
(Nils Greve, Vorstand, Gesellschaft für psychische Gesundheit in Nordrhein-Westfalen, Solingen)
Gute Arbeit und Mitbestimmung in psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfesystemen - Gewerkschaftspolitische Perspektive
(Ellen Paschke, Ressortleiterin, ver.di Bundesvorstand, Berlin)

Praxiswerkstatt A

Arbeitsbedingungen - Mitbestimmung

Moderation: Dr. med. Dieter Grupp, Geschäftsführer ZfP Südwürttemberg, Ravensburg; Enriqueta Fobbe, Leiterin Fachkommission Psychiatrie, ver.di Bundesverwaltung, Berlin

Beiträge Praxiswerkstatt A
Berufsbezogene und berufsübergreifende Aufgaben im regionalen psychiatrischen Netzwerk
(Dr. Herald Hopf, Leiter Tagesklinik Preetz; Anja Schilf, Netzwerk Psychische Gesundheit; Holger Juhlke, Sozialarbeiter Tagesklinik Preetz; alle Brücke Schleswig-Holstein gGmbH)
Arbeit - Arbeitsbedingungen - Arbeitsprozesse und Arbeitsstrukturen in Unternehmensnetzwerken
(Christoph Bräutigam, Pflegewissenschaftler, Institut Arbeit und Technik, Gelsenkirchen)
Mitbestimmung entlang der Wertschöpfungskette - Was kann aus Erfahrungen in der Industrie gelernt werden?
(Reiner Koch, Referatsleiter, ver.di Bundesverwaltung, Berlin)
Individuelle und kollektive Mitbestimmungs- und Beteiligungsrechte. Die Gestaltung von betrieblicher Interessenvertretung in regionalen Versorgungsnetzwerken - Praxiserfahrungen
(Bernhard Baumann-Czichon, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Kanzlei Baumann-Czichon & Partner, Bremen)

Beitrag nicht verfügbar.
Dialog der Mitbestimmungspartner - Geschäftsführung und Betriebsrat
(Nils Greve, Gesschäftsführer; Gerhard R. Walsken, Betriebsrat; beide Psychosozialer Trägerverein Solingen e.V.)

Praxiswerkstatt C

Arbeit - Entlohnung

Moderation: Paul Bomke, Geschäftsführer Pfalzklinikum, Klingenmünster; Herbert Weisbrod-Frey, Bereichsleiter Gesundheitspolitik, ver.di Bundesverwaltung, Berlin

Beiträge Praxiswerkstatt C
Anforderungen an Arbeit und Entlohnung in regionalen psychiatrischen Netzwerken - Was bringt die Zukunft?
(Hartwick Oswald, Management Coach, Witterda)
Anforderungen an Arbeit und Entlohnung in regionalen psychiatrischen Netzwerken - aus Sicht der Arbeitnehmer
(Dr. Gabriele Sterkel, ver.di Bundesverwaltung, Berlin; Dr. med. Michael Konrad, ZfP Südwürttemberg, Ravensburg)
Welche neuen Akteure gibt es im Arbeitsfeld der Gemeindepsychiatrie?
(Birgit Görres, Geschäftsführerin, Dachverband Gemeindepsychiatrie, Bonn)
Wie wird die Strukturqualität im psychiatrischen Hilfesystem durch Personalmindeststandards gesichert?
(Joachim Hübner, Leiter Unternehmensentwicklung, Vitos und Vorsitzender BAG Psychiatrie, Kassel)

Praxiswerkstatt B

Personalgewinnung - Personalbindung

Moderation: Achim Momm, Berater, BAB Institut, Bremen; Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer, Brücke Schleswig-Holstein gGmbH, Kiel

Beiträge Praxiswerkstatt B
Erfolgsrezepte ausgezeichneter Arbeitgeber: Was man von den Besten lernen kann
(Frank Hauser, Geschäftsführer, Great Place To Work, Köln)
Von der Bindung zur Verbundenheit: Anforderungen der Beschäftigen an Arbeitgeber
(Juliane Dohren, Personalrat, Pfalzklinikum, Klingenmünster)
Beteiligungsorientierte Managementkonzepte in Unternehmensnetzwerken - Impulse für die Führung und das Personalmanagement in psychiatrischen Versorgungsnetzwerken
(Dr. Martin Schwarz-Kocher, Geschäftsführer, IMU Institut, Stuttgart)

Praxiswerkstatt D

Profession - Qualifikation

Moderation: Prof. Dr. med. Peter Kruckenberg, ärztl. Direktor a.D., Klinikum Bremen-Ost, Bremen; Michael Krömker, Betriebsratsvorsitzender, AMEOS-Klinikum, Osnabrück

Beiträge Praxiswerkstatt D
Von einrichtungsbezogener zu einrichtungsübergreifender Fortbildung
(Magdalena Grossniklaus, leitende Ärztin der Tagesklinik, Havellandklinik, Nauen)
Den Ärztemangel kreativ nutzen: Substitution ärztlicher Aufgaben
(Gerd Dielmann, ver.di Bundesverwaltung)
Differenzierte vergütungsrelevante Leistungsprofile für Mitarbeiter/-innen des psychiatrisch-psychotherapeutischen Pflegedienstes auf der Grundlage unterschiedlicher Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie unterschiedlicher Aufgaben- und Verantwortungsbereiche
(Hilde Schädle-Deininger, Leiterin Weiterbildungsstätte Fachpflege in der Psychiatrie, Frankfurt a.M.)
Haben Sie heute schon geführt?
(Guus van der Upwich, nextpractice, Bremen)
Berufsbegleitende Qualifizierung von leitenden Mitarbeiter/-innen
(Prof. Dr. Michael Lingenfelder, Philipps-Universität Marburg)
beitraege
Beiträge 2. Tag: 24. Februar 2012

Forum A

Prozess- und Ergebnisqualität der therapeutischen Arbeit im regionalen Hilfesystem

Moderation: Sabine Baldauf, Geschäftsführerin, BAB Institut, Bremen; Prof. Dr. med. Peter Kruckenberg, ärztl. Direktor a.D., Klinikum Bremen-Ost, Bremen

Beiträge Forum A
Qualität in regionalen psychiatrischen Hilfesystemen erfahren und verändern
(Uwe Wegener, bipolaris Selbshilfevereinigung, Potsdam; Marianne Schumacher, Vorstandsmitglied, Angehörige psychisch Kranker, Berlin; Michael Krömker, Betriebsratsvorsitzender, AMEOS-Klinikum, Osnabrück; Prof. emer. Dr. Reinhard Peukert)
Qualität im regionalen psychiatrischen Hilfesystem ermitteln und in die Systemsteuerung einbringen
(Winnie Öhrlich, Charité Berlin; Dr. Markus Kösters, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universität Ulm; Svea Bührig, Referentin, Abt. Stationäre Versorgung, vdek Berlin)

Forum C

Praxisbewertung: Das Gesetz zum pauschalierenden Entgeltsystem in der Psychiatrie - Konsequenzen für das Management psychiatrischer Einrichtungen

Moderation: René Berton, stellvertr. Geschäftsführer Pfalzklinikum, Klingenmünster; Mathias Larbig, Berater, MCK Management Consult Kestermann, Bremen

Beiträge Forum C
Der Referentenentwurf zur Einführung des pauschalierenden Entgeltsystems - Anforderungen und Konsequenzen aus Sicht von Psychiatern und Ärzten an das Management psychiatrischer Einrichtungen
(Dr. med. Marion Lautenschlager, Oberärztin/ärztliche Leiterin FETZ, Charité, Berlin)
Die Einführung des pauschalierenden Entgeltsystems in der Psychiatrie - eine Bewertung und Einschätzung aus Sicht des DRG und Medizin-Controlling
(Dr. med. Frank Studenski MBA, Medizincontroller Pfalzklinikum, Klingenmünster)
Das neue Entgeltsystem in der Psychiatrie aus der Sicht des Managements - praktische Konsequenzen und Herausforderungen in den nächsten zwei Jahren
(Dr. Gerald Gass, Geschäftsführer, Landeskrankenhaus Andernach)
Praktische Probleme bei der Umsetzung des neuen Entgeltsystems aus der Sicht der IT-Hersteller
(Arne Schnabel, Geschäftsführer Phoebus IT Consulting GmbH, Brandenburg/Havel; Stefan Liedtke, Geschäftsführer cibait AG, Bexbach)
Die praktische Umsetzung des Entgeltsystems aus Sicht einer Krankenkasse
(Petra Wiese, Landesvertretung Rheinland-Pfalz, Techniker Krankenkasse, Mainz)
Der Referentenentwurf - Konkrete Herausforderungen für die Arbeitnehmer und ihre Interessenvertretungen
(Silke Hansen, Personal- und Aufsichtsrätin, Psychiatrisches Zentrum Nordbaden, Wiesloch)

Forum B

Finanzierung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung im regionalen Versorgungssystem

Moderation: Peter Brückner-Bozetti, 1. Vorsitzender, Forum für Gesundheitswirtschaft, Bremen; Dr. med. Iris Hauth, Chefärztin und Geschäftsführerin, St.-Joseph-Krankenhaus, Berlin

Beiträge Forum B
Die Entwicklung leistungsbezogener Tagesentgelte - Aktueller Stand und Bewertung
(Prof. Dr. med. Karl H. Beine, Chefarzt, St. Marienhospital, Hamm; Paul Bomke, Geschäftsführer, Pfalzklinikum, Klingenmünster)
Erprobung innovatiber Finanzierungsmodelle: Chancen und Risiken des Regionalbudgets und der Integrierten Versorgung nach §§ 140 a-d ff SGB V
(Prof. Dr. med. Arno Deister, ärztlicher Direktor, Klinikum Itzehoe; Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer, Brücke Schleswig-Holstein gGmbH, Kiel)
Kommentare und Podiumsdiskussion
(Klaus Laupichler, Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg; Gudrun Schliebener, Bundesverband der Angehörigen, Bonn)
Evaluation der Effekte des neuen Entgeltsystems auf Strukturen, Versorgungsqualität, Patienten und Beschäftigte
(Dr. Bernard Braun, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen)
Aus Fehlern lernen: Zeichen für eine Kurskorrektur bei der Umsetzung des KHRG
(Prof. Dr. med. Heinrich Kunze, stellvertr. Vorsitzender, Aktion Psychisch Kranke e.V., Bonn; Stefan Wöhrmann, Abteilungsleiter Stationäre Versorgung, vdek Berlin)



Bildergalerie 2012

Berliner Manifest 2012

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung Psychiatrie 2012 fordern den Gesetzgeber auf, durch eine sorgfältige Überarbeitung des Kabinettsentwurfs in Abstimmung mit einer unabhängigen Expertenkommission für eine zukunftsweisende gesetzliche Grundlage für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit im psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfesystem zu sorgen. Die dafür notwendige zeitliche Streckung des Prozesses schadet niemandem, aber vermeidet Fehlsteuerungen, Demotivation aller Beteiligten und zusätzliche Kosten bei später erforderlichen Korrekturen.